Betrieb · Sortiment

Sortiment für den Kiosk

Welche Warengruppen ein Kiosk trägt, wie Sie nach Publikum auswählen und warum ein volles Regal nicht automatisch ein gutes Regal ist.

Von KIOSK PRO RedaktionVeröffentlicht: Lesezeit: 8 Min.

Das Grundsortiment

WarengruppeFunktion im BetriebBesonderheit
TabakwarenFrequenzbringer, hoher UmsatzanteilGebundener Kleinverkaufspreis, enge Spanne, hoher Kapitalbedarf, Abgabe erst ab 18
KaltgetränkeTragende ErtragsgruppeKühlkosten und Pfandhandling einrechnen
Heißgetränke / KaffeeGute Spanne, MorgenfrequenzLebensmittelrecht, § 43 IfSG, Verpackungspflichten
Süßwaren und SnacksImpuls- und ZusatzkaufIdeal für Thekenplatzierung
PresseGewohnheitskäufe, StammkundenbindungEnge Spanne, dafür Remissionsrecht
TabakzubehörErgänzungskauf mit guter SpanneFilter, Papier, Feuerzeuge — kleiner Platzbedarf
Guthaben-/GeschenkkartenZusätzlicher BesuchsanlassGeringe Provision, kein Lagerrisiko
Alkoholische GetränkeAbend- und WochenendgeschäftJugendschutz; Ausschank vor Ort ist gaststättenrechtlich relevant
BackwarenMorgen- und MittagsfrequenzAbschriftenrisiko, Hygieneanforderungen
Haushalts- und NotbedarfRettet Wege, bindet AnwohnerBatterien, Taschentücher, Kleinbedarf

Das Sortiment folgt dem Standort

Leiten Sie Ihre Schwerpunkte aus dem Publikum ab, das Sie bei der Standortanalyse festgestellt haben:

  • Pendlerlage: Kaffee, Snack zum Mitnehmen, Tabak, Presse, schnelle Kasse. Alles muss in unter 60 Sekunden abgewickelt sein.
  • Wohnviertel: breiteres Getränkesortiment, Grundbedarf, Lotto, längere Abendöffnung.
  • Büroumfeld: Mittagssnack, Kaffee, Kaltgetränke; werktags stark, Wochenende schwach — Bestellmengen entsprechend steuern.
  • Schulumfeld: Süßwaren, Getränke, Snacks in kleinen Einheiten. Jugendschutz besonders konsequent — hier finden Testkäufe statt.
  • Ausgehviertel: Getränke, Tabak, Spätbedarf, Snacks. Andere Zeiten, andere Personalplanung.

Fläche nach Ertrag steuern

Regalfläche ist Ihre knappste Ressource. Bewerten Sie sie nach dem Rohertrag pro Regalmeter und Woche — nicht nach der Spanne allein und nicht nach dem Umsatz allein.

Die Auslistungsregel

Prüfen Sie alle acht Wochen: Welche Artikel wurden im Zeitraum weniger als X-mal verkauft? Legen Sie das X einmal fest und halten Sie sich daran. Alles darunter wird ausgelistet — nicht „noch einmal beobachtet". Kapital, das im Regal steht, arbeitet nicht, und der Platz fehlt einem Artikel, der dreht.

Platzierung

  • Impulsware in Griff- und Sichtweite der KasseDer letzte Meter entscheidet über den Zusatzverkauf
  • Tabak hinter der Theke, in Griffweite des PersonalsDiebstahlschutz und Abgabekontrolle
  • Getränke gut sichtbar und gut erreichbarDie tragende Ertragsgruppe verdient den besten Platz
  • Kombinationen nebeneinanderGetränk und Snack, Kaffee und Backware
  • Sichtachse vom Eingang zur Theke frei haltenOrientierung senkt die Absprungrate
  • Preise nach PAngV vollständig auszeichnenGesamtpreis, wo nötig Grundpreis
  • Aktionsware im Eingangsbereich wechselnGibt einen Grund, überhaupt hereinzukommen
  • Kein Artikel ohne Warengruppe in der KasseSonst ist er in der Auswertung unsichtbar

Bestellmengen und Lager

  • Lieber häufiger und kleiner bestellen, sofern die Mindestbestellwerte es zulassen — das senkt gebundenes Kapital und Abschriften.
  • Saison und Wetter einplanen. Kaltgetränke, Eis und Warmgetränke schwanken stark; die Kassendaten des Vorjahres sind dafür die beste Grundlage.
  • Mindesthaltbarkeitsdaten kontrollieren und Ware nach dem Prinzip „First in, first out" einräumen.
  • Getrennte Lagerung von Lebensmitteln und Reinigungsmitteln — ein häufig beanstandeter Punkt bei Kontrollen.

Häufige Fragen

Welches Sortiment braucht ein Kiosk?

Ein tragendes Grundsortiment aus Tabakwaren, Getränken, Süßwaren und Snacks, Presse und Zubehör — und darüber hinaus das, was das Publikum am konkreten Standort verlangt. Ein Kiosk im Büroumfeld braucht ein anderes Regal als einer im Wohnviertel oder am Bahnhof. Das Sortiment folgt dem Standort, nicht dem Geschmack des Betreibers.

Wie erkenne ich Ladenhüter?

Über die Umschlagshäufigkeit aus den Kassendaten: Wie oft wurde der Artikel in den letzten acht Wochen verkauft? Und über den Rohertrag pro Regalmeter und Woche. Ein Artikel mit hoher Spanne, der kaum dreht, kann schlechter sein als einer mit niedriger Spanne und hohem Umschlag.

Quellen und weiterführende Stellen

  1. §§ 9, 10 Jugendschutzgesetz (Abgabe von Alkohol und Tabak) — gesetze-im-internet.de
  2. Preisangabenverordnung (PAngV) — gesetze-im-internet.de
  3. Verordnung (EG) Nr. 852/2004 (Lebensmittelhygiene); LMIV (Kennzeichnung)
  4. Tabaksteuergesetz (Kleinverkaufspreis) — gesetze-im-internet.de
  5. Verpackungsgesetz §§ 31, 33, 34 (Pfand, Mehrwegangebot) — verpackungsregister.org

Rechtsstand: September 2026. Gesetze, Gebühren und Zuständigkeiten ändern sich und unterscheiden sich zwischen Bundesländern und Kommunen. Bitte prüfen Sie die für Sie geltenden Regeln bei der genannten Stelle nach.

Nächster Schritt

Sortiment nach Zahlen entscheiden

Ohne Rohertrag je Warengruppe bleibt jede Sortimentsentscheidung Geschmackssache. So rechnen Sie ihn aus.

Stand: 2. September 2026 · KIOSK PRO Redaktion