Sortiment für den Kiosk
Welche Warengruppen ein Kiosk trägt, wie Sie nach Publikum auswählen und warum ein volles Regal nicht automatisch ein gutes Regal ist.
Das Grundsortiment
| Warengruppe | Funktion im Betrieb | Besonderheit |
|---|---|---|
| Tabakwaren | Frequenzbringer, hoher Umsatzanteil | Gebundener Kleinverkaufspreis, enge Spanne, hoher Kapitalbedarf, Abgabe erst ab 18 |
| Kaltgetränke | Tragende Ertragsgruppe | Kühlkosten und Pfandhandling einrechnen |
| Heißgetränke / Kaffee | Gute Spanne, Morgenfrequenz | Lebensmittelrecht, § 43 IfSG, Verpackungspflichten |
| Süßwaren und Snacks | Impuls- und Zusatzkauf | Ideal für Thekenplatzierung |
| Presse | Gewohnheitskäufe, Stammkundenbindung | Enge Spanne, dafür Remissionsrecht |
| Tabakzubehör | Ergänzungskauf mit guter Spanne | Filter, Papier, Feuerzeuge — kleiner Platzbedarf |
| Guthaben-/Geschenkkarten | Zusätzlicher Besuchsanlass | Geringe Provision, kein Lagerrisiko |
| Alkoholische Getränke | Abend- und Wochenendgeschäft | Jugendschutz; Ausschank vor Ort ist gaststättenrechtlich relevant |
| Backwaren | Morgen- und Mittagsfrequenz | Abschriftenrisiko, Hygieneanforderungen |
| Haushalts- und Notbedarf | Rettet Wege, bindet Anwohner | Batterien, Taschentücher, Kleinbedarf |
Das Sortiment folgt dem Standort
Leiten Sie Ihre Schwerpunkte aus dem Publikum ab, das Sie bei der Standortanalyse festgestellt haben:
- Pendlerlage: Kaffee, Snack zum Mitnehmen, Tabak, Presse, schnelle Kasse. Alles muss in unter 60 Sekunden abgewickelt sein.
- Wohnviertel: breiteres Getränkesortiment, Grundbedarf, Lotto, längere Abendöffnung.
- Büroumfeld: Mittagssnack, Kaffee, Kaltgetränke; werktags stark, Wochenende schwach — Bestellmengen entsprechend steuern.
- Schulumfeld: Süßwaren, Getränke, Snacks in kleinen Einheiten. Jugendschutz besonders konsequent — hier finden Testkäufe statt.
- Ausgehviertel: Getränke, Tabak, Spätbedarf, Snacks. Andere Zeiten, andere Personalplanung.
Fläche nach Ertrag steuern
Regalfläche ist Ihre knappste Ressource. Bewerten Sie sie nach dem Rohertrag pro Regalmeter und Woche — nicht nach der Spanne allein und nicht nach dem Umsatz allein.
Prüfen Sie alle acht Wochen: Welche Artikel wurden im Zeitraum weniger als X-mal verkauft? Legen Sie das X einmal fest und halten Sie sich daran. Alles darunter wird ausgelistet — nicht „noch einmal beobachtet". Kapital, das im Regal steht, arbeitet nicht, und der Platz fehlt einem Artikel, der dreht.
Platzierung
- Impulsware in Griff- und Sichtweite der KasseDer letzte Meter entscheidet über den Zusatzverkauf
- Tabak hinter der Theke, in Griffweite des PersonalsDiebstahlschutz und Abgabekontrolle
- Getränke gut sichtbar und gut erreichbarDie tragende Ertragsgruppe verdient den besten Platz
- Kombinationen nebeneinanderGetränk und Snack, Kaffee und Backware
- Sichtachse vom Eingang zur Theke frei haltenOrientierung senkt die Absprungrate
- Preise nach PAngV vollständig auszeichnenGesamtpreis, wo nötig Grundpreis
- Aktionsware im Eingangsbereich wechselnGibt einen Grund, überhaupt hereinzukommen
- Kein Artikel ohne Warengruppe in der KasseSonst ist er in der Auswertung unsichtbar
Bestellmengen und Lager
- Lieber häufiger und kleiner bestellen, sofern die Mindestbestellwerte es zulassen — das senkt gebundenes Kapital und Abschriften.
- Saison und Wetter einplanen. Kaltgetränke, Eis und Warmgetränke schwanken stark; die Kassendaten des Vorjahres sind dafür die beste Grundlage.
- Mindesthaltbarkeitsdaten kontrollieren und Ware nach dem Prinzip „First in, first out" einräumen.
- Getrennte Lagerung von Lebensmitteln und Reinigungsmitteln — ein häufig beanstandeter Punkt bei Kontrollen.
Häufige Fragen
Welches Sortiment braucht ein Kiosk?
Ein tragendes Grundsortiment aus Tabakwaren, Getränken, Süßwaren und Snacks, Presse und Zubehör — und darüber hinaus das, was das Publikum am konkreten Standort verlangt. Ein Kiosk im Büroumfeld braucht ein anderes Regal als einer im Wohnviertel oder am Bahnhof. Das Sortiment folgt dem Standort, nicht dem Geschmack des Betreibers.
Wie erkenne ich Ladenhüter?
Über die Umschlagshäufigkeit aus den Kassendaten: Wie oft wurde der Artikel in den letzten acht Wochen verkauft? Und über den Rohertrag pro Regalmeter und Woche. Ein Artikel mit hoher Spanne, der kaum dreht, kann schlechter sein als einer mit niedriger Spanne und hohem Umschlag.
Quellen und weiterführende Stellen
- §§ 9, 10 Jugendschutzgesetz (Abgabe von Alkohol und Tabak) — gesetze-im-internet.de
- Preisangabenverordnung (PAngV) — gesetze-im-internet.de
- Verordnung (EG) Nr. 852/2004 (Lebensmittelhygiene); LMIV (Kennzeichnung)
- Tabaksteuergesetz (Kleinverkaufspreis) — gesetze-im-internet.de
- Verpackungsgesetz §§ 31, 33, 34 (Pfand, Mehrwegangebot) — verpackungsregister.org
Rechtsstand: September 2026. Gesetze, Gebühren und Zuständigkeiten ändern sich und unterscheiden sich zwischen Bundesländern und Kommunen. Bitte prüfen Sie die für Sie geltenden Regeln bei der genannten Stelle nach.
Sortiment nach Zahlen entscheiden
Ohne Rohertrag je Warengruppe bleibt jede Sortimentsentscheidung Geschmackssache. So rechnen Sie ihn aus.
Stand: 2. September 2026 · KIOSK PRO Redaktion